Exotische Zutaten in Lebensmitteln werden von den Herstellern immer häufiger als Superfood angepriesen. Angeblich beugen sie Krankheiten wie Krebs, Übergewicht und Alzheimer vor und versprechen blendendes Aussehen und ein langes Leben. Der Mythos, dass man durch Aufpeppen der Nahrung mit bestimmten Pflanzen seinen Stoffwechsel beschleunigen und den Energieumsatz steigern kann, ist allerdings umstritten.

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Superfood: Ewige Schönheit und Jugendlichkeit als Kaufargument

Geschichten von sogenanntem Superfood, aufgrund dessen sich Naturvölker ferner Kontinente seit Jahrhunderten bester Gesundheit erfreuen, sind allgegenwärtig und verführen bewusst lebende und vernünftig essende Verbraucher zum Konsum. Die dunkelblaue Açai-Beere aus Brasilien ist ein gutes und repräsentatives Beispiel: In Südamerika wird sie frisch und unbehandelt verzehrt, in Europa verkauft man sie als Zutat in Joghurts, Smoothies, Müsli und Schokolade.

Durch lange Transportwege, Trocknung und Verarbeitung büßt das Produkt logischerweise in großem Umfang an Mineralstoffen ein, bis es bei uns auf den Tisch kommt. Es enthält zwar tatsächlich einen hohen Gehalt an Anthocyan, einem antioxidativ wirkenden Pflanzenfarbstoff, welcher die Zellen vor freien Radikalen schützt, jedoch auch Fett. Einheimische Früchte, Trauben und Beeren können im Bezug auf den Anthocyan-Gehalt locker mit der Açai-Beere mithalten und liefern deutlich weniger Kalorien.

Die wichtigsten Eigenschaften vom Superfood:

  • Superfood ist natürlich
  • schützt gegen Krankheiten
  • verzögert den Alterungsprozess
  • verbessert das Wohlbefinden
  • steigert die Lebensqualität
  • enthalten keine chemischen Zusätze
  • sind nicht industriell hergestellt
  • weisen einen höheren gesundheitlichen Nutzen auf, als andere Lebensmittel

Die Wahrheit liegt in die Mitte

Mal ehrlich: Wer ungesunde Lebensmittel mit natürlichen Früchten garniert, macht die Mahlzeit nur geringfügig besser. Antioxidantien können sind sogar schädlich auf den Körper auswirken, wenn sie in sehr hohen Mengen – insbesondere in Form von Pulvern und Pillen – verzehrt werden. Studien haben gezeigt, dass es zu Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten sowie zu einer schlechteren Aufnahme von Vitaminen kommen kann. Den Kauf reißerisch angepriesener Nahrungsergänzungsmittel sollte man sich wirklich sparen. Erwiesen ist jedoch tatsächlich, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Grünem Tee die Speicherung von Fett hemmen können und den Energieverbrauch geringfügig steigern. Für einen messbaren Effekt soll man 3 bis 4 Tassen über den Tag verteilt trinken.

Im Ranking der Superfood-Kandidaten wie Matcha-Grüntee, Goji-Beeren und Granatapfel ist der sogenannte ORAC-Wert (steht für „Oxygen Radical Absorbing Capacity“) ein Begriff. Er gibt an, wie schnell ein Lebensmittel freie Radikale neutralisiert, welche unsere Körperzellen schädigen. Bei diesem Wert handelt es sich jedoch ausschließlich um einen Laborwert, der eine geringe Aussagekraft über die Effekte im menschlichen Organismus hat.

Den Alterungsprozess mit Superfood verlangsamen?

Eine rosige, glatte Haut durch gesteigerte Kollagen-Produktion versprechen Goji-Beeren aus China dank ihrem hohen Gehalt an Betacarotin, Eisen und Antioxidantien. Sie gelten als Jungbrunnen und werden in ihrer Heimat als Geheimwaffe gegen Bluthochdruck und andere Zivilisationskrankheiten eingesetzt. Untersuchungen zeigen, dass es jedoch nicht auf einzelne Substanzen, sondern die Mischung verschiedener Stoffe und ihre gemeinsame Wirkung ankommt.

Des Weiteren sollte man sich bewusst machen, dass sie durch hohe Schadstoffbelastung und enorme Pestizidwerte unterm Strich keineswegs gesünder als heimische Früchte sind. In den Wunder-Nahrungsmitteln stecken also nicht ausschließlich wunderbare Substanzen. Goji-Beeren können die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente stören, angeblich schlank machende, kalziumreiche Chia-Samen können durch enthaltene Saponine die Darmschleimhaut reizen, und Amaranth kann durch Gerbstoffe die Absorption von Mineralstoffen bremsen.

Superfood Liste: Natürliche Produkte. Foto: Markus Spiske unsplash.com (CC0 1.0

Abwechslung auf dem täglichen Speiseplan

Superfoods sind kein Nonplusultra-Rezept, müssen aber keineswegs verteufelt werden. Frische Avocado ist reich an Ölsäure, unterstützt die Immunabwehr und wirkt entwässernd. Chiasamen im Müsli oder Joghurt liefern viele wertvolle Aminosäuren und Algen wie Nori, Wakame und Kombu dienen Veganern als eiweißreicher Fleischersatz. Wer Zucker hin und wieder mit Agavensirup ersetzt, kann ganz leicht Gebäck mit deutlich niedrigerem glykämischen Index herstellen.

Smoothies mit Grünkohl oder Weizengras trumpfen mit einer Fülle sekundärer Pflanzenstoffe auf, wobei Mandelmilch eine leckere Alternative zur Kuhmilch bei Laktoseintoleranz oder Casein-Allergie darstellt. Stimmungsaufhellend und nervenberuhigend soll das magnesiumreiche Inkakorn Quinoa wirken. Auch Kakaobohnen vertreiben Lustlosigkeit und Müdigkeit und regen durch große Mengen Theobromin und Dopamin die Ausschüttung körpereigener Glückshormone an.

Wie Kefir oder Molke hält auch Kombucha durch die enthaltene Milchsäure die Darmflora gesund und regt den Stoffwechsel an. Für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung darf man gern immer wieder Neues auszuprobieren und Ungewohntes genießen, aber dies ist kein Muss. Wer grundlegend auf saisonale und regionale Produkte setzt, ist auf der sicheren Seite und kann theoretisch gern auf exotische Importware verzichten

Fazit: Superfood

Und so wandern immer häufiger beispielsweise Granatäpfel, Acai-Beeren, Heidelbeeren oder Möhren in den Warenkorb. Und sogar Löwenzahn, Brennnessel, Leinsamen oder Kürbiskerne finden vermehrtes Interesse hinsichtlich einer gezielt abwechslungsreichen Gestaltung des täglichen Speiseplanes. Auch Cranberries, Sauerkirschen oder Sonnenblumenkerne sollten darauf nicht fehlen.

Ergänzt durch Safran, Chiasamen, Shiitake-Pilze, Avodados oder Rote Bete wird die tägliche Nahrungsaufnahme fortan nicht nur erheblich abwechslungsreicher und bunter, sonder noch dazu viel geschmackvoller und nährstoffreicher. Denn durch Antioxidantien beispielsweise lassen sich Risiken wie Herzerkrankungen, Krebs und Diabetes genauso einschränken, wie Gelenkschmerzen, rheumatische Erkrankungen, Bluthochdruck und Übergewicht. Viele gute Gründe sprechen also für Superfood: für eine natürliche Ernährung, die schon die Steinzeitmenschen gesund und kräftig machte.

Was ist Superfood?
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Über den Autor

Mein Name ist The Anh und ich komme aus München. Hier auf #dontquit erhälst du Tipps zu den Themen Health, Food, Lifestyle und natürlich alles über Freelectis, Calisthenics und mehr!

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  • Leon Benedens

    Schöner Beitrag.