Die vegane Ernährung scheint in der Gesellschaft angekommen zu sein. Wo vorher fast ausschließlich langhaarige Hippies und Moralapostel ihre Weidegründe fanden, sind vegane Produkte heute in so gut wie allen SB-Warenhäusern vertreten. Dabei ist die vegane Diät und das Angebot an fertigen Gerichten nicht immer gesund. Beim Kauf ist genau so auf Qualität, Herkunft und Art der Siegel zu achten, wie bei allen anderen Speisen. Sich nachhaltig ohne tierische Produkte zu ernähren und gesund zu bleiben ist gut möglich – selbst bei außergewöhnlich hohem Energiebedarf. Doch macht die Umstellung überhaupt Sinn?

Pflanzliche VS. Tierische Proteine

Wheyproteine sind seit Jahren bekannt. Das Milcheiweiß wird bei der Verdauung in Aminosäuren zersetzt, welche der Körper aufnimmt und in Muskelmasse umsetzt. Dank eines Experiments aus dem Jahr 1914, in dem Untersuchungen mit Ratten durchgeführt wurden, ging man lange davon aus, tierische Proteine seien effektiver.

Das Experiment lief wie folgt: Eine Versuchsgruppe der Nager erhielt nur tierische-, die andere ausschließlich pflanzliche Proteine. Die Gruppe, welche mit den tierischen Produkten genährt wurde, wuchs bedeutend größer, nahm intensiver an Gewicht zu als die Vegi-Ratten.

Das Dogma galt lange auch in der Szene. Niemand vermutete, pflanzliche Proteine können die Effektivität von Wheyporoteinen erreichen. So zeigte es auch eine Studie an der Tampa Universität in Florida.

Diesmal waren die Testgruppen mit Studenten bestückt, welche über mindestens ein Jahr Trainingserfahrung verfügen musste. Das Training mit dem Ziel der Muskelzunahme wurde mit Shakes unterstützt. Die Verteilung erfolgte erneut auf pflanzliche und tierische Proteine. Auch hier fiel das Ergebnis wie zu erwarten aus.

Der Grund sei im Leucin zu suchen, welches im tierischen Eiweiß zu höheren Konzentrationen enthalten ist. Der Stoff hat eine besondere Wirkung auf die Muskeln des Körpers: wird die Konzentration im Körper erhöht, laufen diese auf Hochtouren und nehmen, wie in den Studien belegt stärker an Masse zu.

Sieg auf ganzer Linie?

Ist das vegane Angebot an Nahrungsergänzung für den Muskelaufbau komplett sinnfrei? In einem zweiten Durchgang wurde die Menge der Proteine erhöht. Die Masse an Proteinen betrug nun ca. 50g pro Person. Nach der Erhöhung der Dosis wurde erneut trainiert, die Muskelkraft getestet, der Muskelaufbau untersucht. Unterschiede zum vorherigen Testlauf stellten ausschließlich die Mengen der Proteine in den Shakes dar.

Das Resultat war überraschend: In den verschiedenen Gruppen gab es keine Leistungsdifferenzen. Mit einer verdoppelten Menge Protein direkt nach dem Training, war der Muskelzuwachs auf dem selben Level. Pflanzliche Proteine können also mit Wheyproteinen mithalten. Doch warum macht eine Umstellung Sinn, wenn vom Milcheiweiß viel weniger benötigt wird? Gibt es noch andere Vorzüge der pflanzlichen Ernährung?

Nur gesund ist von Dauer

Von den Studenten geht es zurück zu den Ratten. Einige Jahrzehnte nach dem beschriebenen Experiment, gab es eine zweiten Versuch an der University of California, der Berkeley. Diesmal wurde nicht nur die Masse der Tiere untersucht. Nachdem die Verteilung der Diäten wieder auf zwei Gruppen erfolgte, wurden die Nager länger beobachtet und man stellte fest, dass die Tierprotein-Gruppe nur halb so lange lebte, mit Erkrankungen kämpfte und zu Verhaltensauffälligkeiten neigte. Auch die Vermehrung hatte zu leiden. Missbildungen und Totgeburten hatten eine höhere Rate.

Beim Menschen hat zu viel Eiweiß ähnlich verehrende Folgen. Eine genaue Dosierung ist für eine gesunde Ernährung notwendig. Ist der Eiweißhaushalt zu hoch, werden die überschüssigen Aminosäuren als Harnsäure ausgeschieden. Diese belastet die Organe, Gelenke und begünstigt die Bildung von Nierensteinen. Einige behaupten, dass das verantwortliche Purin nur in tierischen Eiweißen vorkommt, dies ist allerdings ein Trugschluss. Purin kommt allerdings gehäuft in Fleisch vor. Für Wheyproteine spielt dies keine Rolle.

Fazit pflanzliches Protein

Eine vegetarische Ernährung ist an und für sich gesünder, da tierische Produkte in der Regel sauerer sind als pflanzliche. Alle Fans von Wheyproteinen können uneingeschränkt weiter schlürfen und allen Veganern und Fitnessjunkies mit Milcheiweißunverträglichkeit sei versichert, dass die pflanzliche Ernährung ebenfalls zu einem sehr hohen Muskelzuwachs führen kann. Eine gesunde Ernährung mit einer sinnvollen Ergänzung ist neben gutem Training eine der Säulen des Muskelwachstums.

Alle Veganer sollten zur Proteinen aus Reis, Lupinen und Erbsen greifen und außerdem auf die Zufuhr von Eisen und Viramin B12 achten. Ein saftiges Schnitzel oder dutzende Burger am Cheat-Day zu verschlingen sollte auch niemandem versagt bleiben, irgendwie muss essen schließlich auch Spaß machen.

Foto:  Veganbaking.net Flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Über den Autor

Mein Name ist The Anh und ich komme aus München. Hier auf #dontquit erhälst du Tipps zu den Themen Health, Food, Lifestyle und natürlich alles über Freelectis, Calisthenics und mehr!

Ähnliche Beiträge